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1. Einleitung

Das Thema dieser Hausarbeit sind Füllwörter, die im Mündlichen und im Schriftlichen auftreten, und Partikeln, die im Seminar aus zeitlichen Gründen nicht differenziert betrachtet wurden. Die Betrachtung wurde auf das besonders auffällige “äh” beschränkt, das nur im Mündlichen oder in der schriftlichen Wiedergabe mündlicher Texte vorkommt. Es werden Entstehung und Vermeidungsmöglichkeiten behandelt, wobei die Ergebnisse meines Referats zum Thema “Füllwörter in schriftlichen Texten” mit einfließen. Die Körpersprache, speziell die Gestik, hängt mit der Entstehung von Partikeln und Füllwörtern zusammen und wird deshalb, ebenso wie die Vorbereitung auf eine Redesituation, mit berücksichtigt.

 

2. Was sind Füllwörter, Partikeln und Fülllaute?

2.1 Füllwörter

Füllwörter gehören grammatikalisch keiner bestimmten Wortart an, sondern setzen sich aus unterschiedlichen Wortarten zusammen. Welches Wort als Füllwort verstanden wird ,interpretiert der Leser oder Zuhörer individuell danach, ob es die Aussage des Satzes verändert oder nicht. Bedeutet das Auslassen eines bestimmten Wortes keine inhaltliche Veränderung, handelt es sich um ein Füllwort. Die Funktion der Füllwörter im Mündlichen und Schriftlichen muss unterschieden werden. Im Mündlichen übernehmen sie eine ähnliche Funktion wie Fülllaute und Partikeln: Zum Beispiel das Ausfüllen von Gedankenpausen. Im Schriftlichen muss die Funktion eine andere sein: Zum Beispiel die Ausdehnung des Textes oder dessen Ausschmückung.

 

2.2 Partikeln

Partikeln gehören wie Adverbien, Präpositionen und Konjunktionen zur Gruppe der Unflektierbaren. Neben der Unveränderbarkeit der Form sind Partikeln dadurch gekennzeichnet, dass sie nur als Satzgliedteile vorkommen oder nicht innerhalb des Satzverbandes auftreten (Gesprächspartikeln).

Abgrenzend zu den Adverbien haben Partikeln keine eigene oder nur eine geringe Bedeutung (bedeutungsarm). Im Gegensatz zu Präpositionen und Konjunktionen nehmen die Partikeln keine grammatische Funktion ein. Sie können auch als Repräsentanten anderer Klassen der Unflektierbaren in Erscheinung treten. Man unterscheidet fünf Teilklassen von Partikeln:

1.      Gradpartikeln (Sie geben Grad und Intensität einer Eigenschaft an)

2.      Fokuspartikeln (Partikeln, die der Hervorhebung eines Teils der Aussage dienen)

3.      Modalpartikeln (Sie dienen der Abtönung, vor allem im Mündlichen)

4.      Gesprächspartikeln (Partikeln, die das Gespräch steuern und nur am Anfang oder Ende des Satzes auftreten)

5.      Negationspartikeln (Verneinungspartikeln)

 

2.3 Füllaute

Laute sind die kleinsten Bestandteile eines gesprochenen Wortes. Im Gegensatz zum Füllwort, das eine Lautfolge darstellt, besteht der Fülllaut nur aus einem einzelnen Bestandteil.

Fülllaute kommen nur im Mündlichen vor oder in der genauen Übertragung eines mündlichen Textes ins Schriftliche (Transkription).

 

3. Wodurch entstehen Füllwörter, Partikeln und Fülllaute?

Füllwörter, Partikeln und Füllaute haben in ihrer Entstehung ähnliche Ursachen. Dennoch ist es unterschiedlich und vom Sprecher abhängig, wie viele Füllwörter, Partikeln und Fülllaute verwendet werden. Die Beobachtungen im Seminar führen zu folgenden Annahmen:

Füllwörter treten gehäuft bei Unsicherheit, Nervosität und Unkonzentration auf.

 Eine freie Diskussion zu einem neuen Thema hat eine erhöhte Anzahl von Füllwörtern zur Folge. Spricht man zwei Minuten über ein bestimmtes Thema, verwendet man mehr Füllwörter als beim wiederholten zweiten Versuch zum gleichen Thema

Befindet sich der Sprecher in einer neuen, unbekannten Redesituation, treten ebenfalls Füllwörter in erhöhter Anzahl auf, wie der im Seminar durchgeführte Versuch des Kontrollierten Dialogs zeigte. In einem Kontrollierten Dialog fasst ein Sprecher den Inhalt der Aussage seines Gesprächspartners zusammen und formuliert anschließend, wenn der Gesprächspartner die Richtigkeit der Zusammenhänge bestätigt hat, seine eigenen Gedanken aufbauend auf dem zuvor Gesagten. Man spricht nacheinander. Ziel eines Kontrollierten Dialogs ist das bessere Verständnis der Gesprächsteilnehmer, die sich durch die Zusammenfassung mehr mit den Argumenten des Gegenübers beschäftigen. Der Kontrollierte Dialog bietet dem jeweiligen Sprecher immer einen Ansatzpunkt, indem er sich auf die Aussage des anderen beziehen kann, was den Fortlauf des Gesprächs und eine Argumentationsentwicklung sichert.

Bei der mehrfachen Wiederholung eines bestimmten Wortes muss es sich nicht um Unsicherheit handeln. Die Ursache kann auch in einer schlechten Angewohnheit liegen.

Wird zu schnell gesprochen -schneller als gedacht- schleichen sich eher Füllwörter ein als bei langsamer Sprechweise.

Ein Sprecher, der Pausen (Denkpausen) in seiner Rede fürchtet, wird sie automatisch mit Füllwörtern ausfüllen, sobald sie auftreten.

Eine weitere Ursache für die Entstehung von Füllwörtern ist möglicherweise eine Wortfindungsstörung. Dazu kommt, dass Füllwörter oft in Verbindung mit Versprechern auftreten.

Eine verkrampfte und starre Körperhaltung sowie die Unterdrückung von unterstützender Gestik können zu Füllwörtern führen.

Will der Sprecher eine Rede vortragen, deren Syntax für das Mündliche zu kompliziert gestaltet ist, erfordert das erhöhte Konzentration, die über einen längeren Zeitraum nicht aufrecht erhalten werden kann.

Die Stellung der Füllwörter im Mündlichen ist oft die gleiche, was sich bei der Untersuchung von mündlichen Texten, die ins Schriftliche übertragen wurden, gezeigt hat. Daran wird deutlich, das der Sprecher keine vollständigen Sätze im Kopf hat, sondern Satzteile nacheinander entwickelt und oft am Anfang des Satzes noch nicht dessen Ausgang kennt. Auch am Satzanfang oder zu Redebeginn treten Füllwörter häufig auf, was eine Parallele zu den Denkpausen darstellt.

 

4. Auswertung des Referats vom 11.07.2001

Experiment zum Thema: Untersuchung von schriftlichen Texten auf Füllwörter

Für dieses Experiment wurden fünf kurze Texte aus verschiedenen Quellen ausgewählt und mit Füllwörtern in unterschiedlicher Anzahl angereichert:

Text 1:   5 Füllwörter[1]

Text 2:   4 Füllwörter[2]

Text 3:   8 Füllwörter[3]

Text 4:   7 Füllwörter[4]

Text 5: 10 Füllwörter[5]

Diese ungefähr gleich langen Texte wurden den Seminarteilnehmern zum Lesen vorgelegt. Neben den zusätzlich eingefügten Füllwörtern enthalten die ausgewählten Texte durch den Autor entstandene Füllwörter (z.B. Text 1, Zeile 6 :“immer wieder”), die die  Gesamtzahl erhöhen. Es wurde anhand der Diskussion unter den Teilnehmern deutlich, dass Füllwörter nicht eindeutig abgrenzbar sind und ihre Sinnfunktion individuell interpretierbar ist.

 Das vom einen Leser als Füllwort erkannte Wort, kann nach dem Verständnis eines anderen Lesers eine bestimmte Funktion im Satz übernehmen z.B. Hervorhebung oder Betonung.

Ein Wort, das als Füllwort erkannt wird, hat nach dem Verständnis des Lesers keinen Einfluss auf den Inhalt des Kontextes. Fällt es weg, bleibt der Sinn gleich und die Aussage wird eindeutiger und die Sprache wirkt klarer.

Füllwörter wirken im Schriftlichen störender als im Mündlichen, was sich auch daran zeigt, dass die Füllwörter in einem Text, der zu umgangssprachlichen Wendungen neigt  (Text 4) im Vergleich zu einem Text, der einem Fachbuch entnommen ist  (Text 3) weniger wahrgenommen werden.

Ahmt man die Angewohnheit mancher Menschen nach, im Mündlichen ein bestimmtes Füllwort  häufig zu verwenden, und wiederholt es mehrfach im Schriftlichen (Text 1), wird es im Vergleich zu einem anderen Text, der eine annähernd gleiche Anzahl unterschiedlicher Füllwörter enthält (Text 2), besonders hervorgehoben.

In abgeschwächter Form trifft dies auf Füllwörter zu, die in immer gleicher Stellung auftreten, bei Dopplung oder Gleichklang (Text 2).

Die Diskussion im Seminar ergab, dass Füllwörter weniger störend wirken als Partikel (in Bezug auf das ausschließlich im Seminar behandelte “äh”).

Eine genaue Angabe der Anzahl, ab der die Füllwörter im Schriftlichen den ungehinderten Lesefluss unterbrechen, ist schwierig zu machen, was von der individuellen Lesegeschwindigkeit, der Uneindeutigkeit der Füllwörter sowie der vom Autor verursachten Füllwörter zusätzlich zu den zugefügten, abhängt. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass die ungefähre Angabe auf dem Thesenpapier viel zu ungenau ist, um aufrecht erhalten zu werden.

Die Funktion der Füllwörter kann man unterschiedlich betrachten. Sie kann das persönliche Stilmittel des Schreibers sein oder der Ausweitung des Textes dienen.

Treten Füllwörter im Schriftlichen gehäuft auf, wirkt der Text “aufgebläht” und sein Sinn wird undurchsichtiger. Im Extremen wirkt er sogar karikativ (Text 5).

 

5. Wie lassen sich Partikeln vermeiden?

Da Partikeln in häufiger Anzahl nicht als angenehm empfunden werden, ist es erstrebenswert, sie zu vermeiden. An ihrer Entstehung kann man erkennen, dass Nervosität zu den Hauptursachen gehört.

Durch eine gezielte Vorbereitung, kann sich die Nervosität reduzieren. Mit entsprechendem Hintergrund- bzw. Fachwissen ist man auf mögliche Fragen aus dem Publikum vorbereitet und muss nicht befürchten, sich durch Unkenntnis zu blamieren.

Eine verkrampfte Körperhaltung resultiert aus Nervosität und Unwohlsein. Fördert die gute Vorbereitung jedoch das Selbstbewusstsein, löst sich automatisch die starre Haltung, die eine die Aussagen unterstützende Gestik hemmt. Im Seminar wurde anhand von Videoanalysen festgestellt, dass Gestik den Gebrauch von Partikeln reduzieren kann. Es empfiehlt sich, den Drang nach Gestik nicht zu unterdrücken, da sie den Sprachproduktionsvorgang positiv beeinflusst. Im Gegensatz zu Partikeln fällt  Gestik nicht unangenehm auf , wenn sie nicht zum Ventil der Nervosität wird (z. B. bewegt der Sprecher hektisch einen Gegenstand in den Händen, weil er diese sonst nicht zu beschäftigen weiß).

Ebenfalls durch Nervosität entstehen Versprecher - oft auch im Zusammenhang mit Partikeln.

Das gewählte Sprechtempo muss der Geschwindigkeit der Gedankenentwicklung entsprechen. Viele Sprecher wählen ein zu hohes Sprechtempo, um die unangenehme Redesituation rasch zu beenden. Die Folge sind kürzere Sprechpausen, die man auszufüllen versucht. Denken und Sprechen verlaufen nicht nacheinander, sondern nebeneinander, was bedeutet, dass ein Gedanke erst während des Sprechens zuende formuliert wird. Dadurch, dass Denken und Sprechen nicht nacheinander und vollständige Sätze nicht gedanklich vorformuliert werden, entstehen keine langen Pausen im Gespräch. Das Aussprechen von Gedanken ist oft sehr nützlich, um sich größere Klarheit zu verschaffen.

Ein Sprecher sollte keine zu komplizierte und komplexe Syntax verwenden, denn die dadurch geforderte erhöhte Konzentration kann schwerlich über einen längeren Sprechzeitraum aufrechtgehalten werden, was wieder zu Pausen und Partikeln führt.

Zur allgemeinen Vorbereitung auf eine Sprechsituation gehört die Untersuchung auf den individuellen Sprechtyp. Diesen erkennt man durch die Analyse von eigenen Video- oder Tonbandaufzeichnungen oder durch die konstruktive Kritik innerhalb einer zusammenarbeitenden Gruppe.

 

6. Körpersprache

Als Körpersprache bezeichnet man alle Bereiche der nonverbalen Kommunikation:

-Gestik

-Mimik

-Körperhaltung

-Körperbewegung

-Blickkontakt

-Atmung

Körpersprache kann die verbale Kommunikation ersetzen oder unterstützende, verdeutlichende oder vorbereitende Funktion haben. Nonverbales Verhalten ist unbewusst und deshalb von wesentlicher Bedeutung (Authentizität).

Neben den nonverbalen tragen auch paraverbale Signale (Stimmhöhe, Sprechgeschwindigkeit etc.) zum Kommunikationsprozess (Sender-Nachricht-Empfänger) bei. Die Interpretation einer verbalen Aussage ergibt sich also aus dem Zusammenhang verschiedener Faktoren.

 

7. Die perfekte Rede

Eine Rede besteht nach dem Standardschema aus drei Teilen: Einleitung, Hauptteil und Schluss. Bei der Verfassung sollte mit dem Hauptteil begonnen werden, da er das Kernstück der Rede darstellt. Einleitung und Schlussteil können anschließend besser auf den Hauptteil abgestimmt werden. Es gibt verschiedene Gliederungsschemata, nach denen eine Rede aufgebaut werden kann, wie es auch verschiedene Arten von Reden gibt (z.B. informative Reden, überzeugende Reden, appellierende Reden, Dankes- oder Lobesreden etc.).

Doch man kann auch eine eigene Gliederung entwerfen, wenn verschiedene Punkte beachtet werden. Dazu gehört das Thema, das man sich immer konkret vor Augen halten sollte, um nicht davon abzuweichen. Die Einstellung auf eine bestimmte Zielgruppe ist wichtig, wenn man sein Publikum erreichen möchte. Oft ist es nötig, das Vorwissen des Publikums einzuschätzen, um es nicht zu über- oder unterfordern. Ebenfalls empfehlenswert ist es, für sich selbst ein Ziel zu formulieren, das erreicht werden soll. Bei den Hauptargumenten sollten nur ca. drei im Hauptteil eingebaut werden, denn zu viele Argumente können von der Zuhörerschaft nicht aufgenommen werden. Außerdem ist es günstig Argumente für eine mögliche anschließende Diskussion zurückzuhalten, denn die Überzeugungskraft würde dadurch vergrößert. Um den Zuhörern das Folgen des Inhalts zu erleichtern kann man die Rede visuell unterstützen (z. B. durch Folien auf dem Overheadprojektor, Mindmaps etc.).

Mit der Einleitung soll das Publikum auf die individuelle Sprechweise des Redners sowie das Thema eingestellt werden, und zum Mitdenken aktiviert werden.

Durch den Schlussteil will der Sprecher einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Zuvor gewonnene Eindrücke werden von den folgenden überlagert. Daher ist es sinnvoll, Ziele oder direkte Aufforderungen im Schlussteil zu konkretisieren.

Doch das Gelingen einer Rede ist nicht nur von der Form, sondern auch von der Vortragsweise abhängig.

 

8. Fazit

Füllwörter und Partikeln lassen sich sowohl im Schriftlichen, als auch im Mündlichen reduzieren. Im Mündlichen kann anhand von entsprechenden Übungen die Redekunst trainiert werden. Die Ursachen für die Entstehung von Partikeln können durch eine gezielte Vorbereitung bekämpft werden. Auch auf spontane Redesituationen kann hintrainiert werden. Es ist weniger notwendig, sich zu einem idealen Sprechtyp zu entwickeln, als die Partikeln so weit zu reduzieren, dass sie nicht als störend empfunden werden (Verwendung von unter sechs Partikeln pro Sprechminute). Im Schriftlichen ist das Vermeiden von Füllwörtern einfacher, wenn man sich über die Bedeutungslosigkeit von Füllwörtern klar wird und sich intensiv mit seinem Text beschäftigt oder andere Korrektur lesen lässt.

 

9. Anhang

Folgende Texte eins bis fünf wurden bei dem Experiment zur Untersuchung von schriftlichen Texten auf Füllwörter (Nr. 5) verwendet. Die zusätzlich eingefügten Füllwörter sind unterstrichen. Alle eingefügten Füllwörter wurden von den Seminarteilnehmern erkannt.

Text 1

Mind-Maps sind “Gedanken-Karten”, also Notizen, die nicht Zeile für Zeile geschrieben, sondern mitten auf dem Blatt (möglichst DIN A3!) begonnen werden. In das Zentrum wird dabei das Thema oder die Frage geschrieben. Man stellt sich vor, man blicke dabei von oben auf die Krone eines Baumes. Vom zentralen Stamm zweigen einige wenige dicke Hauptäste ab, die sich dabei immer wieder verzweigen und um so dünner werden, je mehr sie verästeln. Schreibt man die zentralen Aspekte des Themas an die ersten dicken Hauptäste und fügt nach und nach Einzelpunkte als Zweige an den Stellen zu, wo sie inhaltlich hinpassen, entsteht dabei nach und nach eine anschauliche Struktur. Beziehungen zwischen Ästen oder wertende Bemerkungen können ferner durch Pfeile, Linien oder andere Bildzeichen verdeutlicht werden. Solche anschaulichen Gliederungen kann man als Stichwortzettel für Reden benutzen, aber man kann außerdem die Ergebnisse von Besprechungen so festhalten.

Text 2

Gestik  (Hand- und Armbewegungen):

Hier ist nicht nur die Bewegung, sondern auch die Position von Händen und Armen überhaupt unerhört wichtig. Hände können offen, ineinander verschränkt, zur Faust geballt sein; man kann mit Gegenständen manipulieren, sich ins Gesicht oder in die Haare fassen, mit einer Locke oder dem Ohrläppchen spielen, nahe am Körper oder weit ausladend gegen den Gesprächspartner hin gestikulieren- und so mehr oder weniger Raum für sich beanspruchen. Gestik verrät viel über den Gemütszustand eines Gesprächspartners (ev. auch gegen dessen Willen), kann aber auch die Einstellung und Engagiertheit eines Sprechers gegenüber seinem Redegegenstand signalisieren. Was übrigens grundsätzlich für jegliches nonverbale Verhalten gilt, gilt vielleicht für die Gestik ganz besonders: Nicht nur die spezielle Art und Weise, sondern die Intensität nonverbalen Verhaltens ist so stark kulturabhängig. In diesem Sinne reden z.B. Italiener tatsächlich mehr “mit den Händen” als Deutschsprachige oder Skandinavier.

 

Text 3

Mit Partikeln meinen wir hier eine sozusagen funktional bestimmte Auswahl aus den Wörtern und Wörtchen, die normalerweise der Wortart Partikel zugeordnet werden. Wie sich diese Auswahl sonst im einzelnen charakterisiert, wird im folgenden deutlich werden. Die zudem große Bedeutung, die den Partikeln im Rahmen der Gesprächsorganisation und speziell beim Sprecherwechsel zukommt, ist bisher schon mehrfach angesprochen worden. Die Entwicklung der Partikelforschung  verläuft offensichtlich auch in etwa parallel zur Entwicklung der Gesprächsanalyse. Die Wertschätzung der Partikeln als nützliche Elemente der- im Gegensatz zu anderen Sprachen äußerst partikelreichen- deutschen Sprache ist also schließlich relativ neu; traditionellerweise galten Partikeln eher als überflüssige, manierierte Sprach-Einsprengsel, die übrigens einen (schriftlichen) Text unnötig aufblähten und inhaltlicher Klarheit eher abträglich seien. Dieser Einschätzung im allgemeinen entsprechen mithin Bezeichnungen wie “Läuse im Pelz der deutschen Sprache” (Reiners) oder etwas moderater “Füllwörter”.

Text 4

Stichpunkte:

Soll man eigentlich sein Referat Wort für Wort ausformulieren, oder soll man - nur von Stichpunkten ausgehend- die Rede durch Sprech-Denken entwickeln? Im Gegensatz zu vielen Rhetorik-Trainern bin ich schlicht nicht der Meinung, jeder Redner müsse unbedingt von Stichworten ausgehen. Wohlgemerkt, wir sprechen dabei jetzt von der Vorbereitung und noch nicht vom Halten des Referats selbst. Denn wiewohl es beim Vortrag besser ist, mit eigenen Stichpunkten auszukommen, gilt beim Kreieren der Rede: Es gibt Menschen, die können weit effizienter mit Sprache umgehen, wenn sie denn ganze Sätze schreiben. Und es gibt solche, die sprechend besser formulieren. Daher kann ein erstes Ausformulieren für Sie sonst tatsächlich der zumeist bessere Weg sein. Allerdings gilt natürlich: “Reden lernt man nur durch Reden.” Wenn Sie vorher schreiben, müssen sie danach oft genug üben zu reden, sonst besteht die Gefahr, dass Sie einen “Schreibstil” sprechen wollen. Benutzen Sie doch einige gut gelungene Formulierungen aus Ihrem Manuskript, nicht jedoch den gesamten Text Wort für Wort- wenn es eine lebendige Rede werden soll, die Ihre Hörer anspricht.

 

Text 5

Wollen sie übrigens überprüfen, ob sie eine dumme Angewohnheit haben? Also, es gibt einen faszinierenden Tipp, wie man erfolgreich gegen solche Angewohnheiten ohne weiteres ankämpfen kann. Nämlich ein Trainerkollege in der Schweiz, Professor Eddie Meier in St. Gallen, verrät seinen Teilnehmern eine Methode, die ich einfach hervorragend finde. Vor Beginn einer Präsentation führen Sie Ihre “Marotte” einfach zehnmal  hintereinander kurz aus. Und angenommen, Sie neigen dazu, Ihre Krawatte von unten her aufzurollen, dann machen Sie dies unbedingt vor der Rede bzw. vor der Konferenz. Auf diese Weise ist der Impuls vorläufig stillgelegt, und sie überstehen die Situation quasi mühelos.

10. Quellenangaben

1.       Vera F. Birkenbihl: Rhetorik. Redetraining für jeden Anlaß. 5. Durchgesehene Auflage; Berlin 1998; Urania Verlag, ISBN 3-332-00603-7

2.       Duden Bd. 5: Das Fremdwörterbuch. Herausgegeben und bearbeitet vom Wissenschaftlichen Rat der Dudenredaktion 6., auf der Grundlage der amtlichen Neuregelung der deutschen Rechtschreibung überarbeitete und erweiterte Auflage; Mannheim/ Leipzig/ Wien/ Zürich1997; Dudenverlag, ISBN 3-411-04056-4

3.       Duden Bd. 4: Die Grammatik. Herausgegeben von der Dudenredaktion. 6., neu bearbeitete Auflage;  Mannheim/ Leipzig/ Wien/ Zürich 1998; Dudenverlag, ISBN 3-411-04046-7

4.       Angelika Linke/ Markus Nußbaumer/ Paul R. Portmann: Studienbuch Linguistik. Herausgegeben von Helmut Henne, Horst Sitta und Herbert Ernst Wiegand. 3., unveränderte Auflage, Tübingen 1996; Max Niemeyer Verlag, ISBN 3-484-31121-5

5.       Reader zum Grundseminar: Grundlagen zur Sprach- und Literaturvermittlung - Schreiben und Sprechen in Schule, Medien und Weiterbildung (Marita Pabst-Weinschenk) - Schule, Theater, Museum (Klaus-Hinrich Roth) - Literatur und Medien in Schule und Öffentlichkeit (Gerhard Rupp) Sommersemester 2001

6.       http://www.uni-duesseldorf.de/muendlichkeit/gespraechsmodelle/ Lexikon/index/html

7.       http://www.rz.fh-ulm.de/projects/onhelp/fuellw.htm

 



[1] Karl-Dieter Bünting/ Marita Pabst-Weinschenk: Besser schreiben & reden. Köln 1999 (Neuer Honos Verlag), S. 106, zit. nach Reader zum GS: Grundlagen zur Sprach und Literaturvermittlung. Schreiben und sprechen in Schule, Medien und Weiterbildung (Marita Pabst-Weinschenk)/ Schule, Theater, Museum (Klaus-Hinrich Roth)/ Literatur und Medien in Schule und Öffentlichkeit (Gerhard Rupp),  SS 2001, S.11

[2] Angelika Linke/ Markus Nußbaumer/ Paul R. Portmann; Hrsg. Helmut Henne/ Horst Sitta/ Herbert Ernst Wiegand: Studienbuch Linguistik. 3. unveränd. Aufl., Tübingen 1996; Max Niemeyer Vlg., S. 274

[3] Ebd., S. 270/271

[4] Vera F. Birkenbihl: Rhetorik. Redetraining für jeden Anlaß. 5. durchgesehene Aufl., Berlin 1998; Urania Vlg., S. 84/85

[5] Ebd.,  S. 48